schreiben,
nein, das ist kein schreiben hier, das ist tippen. schreiben ist anders. schreiben zieht die bewegung der hand als linie auf das blatt. das bist du, das ist eine unmittelbare spur. jeder schwenk einzigartig. das ist schreiben. fühlen, berühren, führen, gleiten lassen. das hier ist nicht schreiben. das ist tippen. getipptes ist tot und erwacht erst durch das gelesen werden zum leben. aber wenn es keiner liest.. du kannst als geschriebenes wort ewig in der dunklen einsamkeit des nicht gelesen werdens vegetieren, oder du kannst als totes getipptes in der unendlichkeit der virtualität hängen, auch allein und unentdeckt. lebend allein sein oder tot allein sein. unterschied? natürlich, das erstere besitzt soetwas wie einen hauch von pathetischer würde. und würde.. das ist nochmal eine ganz andere geschichte.

du schreibst nicht mehr. vielleicht doch und ich sehe es nur nicht. ich habe die dünnen fäden, die sich zwischen dir und mir durch die luft zogen gekappt. und doch finde ich mich in letzter zeit immer wieder an den klippen stehend, versuche zu dir hinüber zu sehen, zu erahnen, was du machst.
ich kann nichts mehr von dir lesen, das heißt, du stirbst immer mehr in mir. ich kann dir nicht folgen. deine letzten spuren zerbröseln unter meinen füßen, weil ich immer wieder drübergehe um mir nochmal die illusion zu schenken, dir nahe zu sein. es wird immer blasser, verliert an geschmack. du hast die gelegenheit genutzt, dich mir zu entziehen und ich habe in einem anflug von stolz die fäden gekappt. stolz. das ist auch so ein eigenes kapitel.

ich kann mich erinnern, wie es war, als du mich gelesen hast. wie merkwürdig das geklungen hat, meine worte durch dich gleiten zu hören. du warst viel zu langsam, das hätte schneller gehen müssen. man hätte sich besser einspielen können. man hätte es besser abstimmen müssen. deine stimme und meine gedanken.

und vielleicht schreibst du ja. in das buch, auf das papier, mit einem stift. und ich kann es unmöglich lesen, denn ich müsste es dir abnehmen, es dir von deinem leib weg entreißen, und dazu komme ich nicht. die fäden sind gekappt. dein lebendiges bleibt bei dir allein, ich an meinen eigenen schroffen klippen stehend, lehne mich zu weit nach vorn. zu weit.. das ist mittlerweile wirklich schon eine alte leier.

22.2.10 04:13

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