ein unscheinbares wirtshaus in einer provinzstadt.
dumpfe beleuchtung, die luft durchsetzt mit zigarettenrauch und fritierfett. die stammtische noch leer, sommerspätnachmittag.

er: der vielbeneidete zuchthengst in den besten jahren. zurückgekehrt aus der hauptstadt, nennt es burnout. man staunt. man munkelt, er habe das große geld gemacht. verprasst an sünden, das steht ihm gut. einen weißen leinenanzug trägt er, einen lässigen hut, ist braungebrannt, haiti. 'die mädchen in der stadt sind eben anders', sagt er.
sie: du hast so glänzende runde äuglein, wie ein kälbchen, sagte ihre mutter. nach der schule wollte sie in die hauptstadt ziehen, eine arbeit suchen. nun steht sie hinter dem tresen des wirtshauses, poliert gläser. bereit für den großen ansturm der stammtischrunde.

er duftet anders, findet sie. sie hat die männer aus dem dorf so satt, die verschwitzte stammtischrunde. und sie ist nicht ohne reiz; eine weibliche gestalt, kirschenschmollmund, kupfernes, lockiges haar. an manchen tagen hat sie einen augenaufschlag, der sie alle mit einem streich in die knie zwingen könnte.

er sitzt am tresen, auf einem hölzernen barhocker, mit einem arm lässig angelehnt. sein hut und die sonnenbrille liegen abseits, das revier markiert er sorglos. ein auge hat er nebenbei auf sie geworfen, als sie ihm ein glas wein hinstellte, so ganz beiläufig, als gehörte er zur stammtischrunde. sie schien ihn keines blickes zu würdigen, das brachte ihn in wallung.
nun reden sie smaltalk. er erzählt ihr von haiti und wie zigarren schmecken. sie poliert gedankenverloren ein glas ums andere.

er nimmt sie sich für eine nacht.
sie weiß das, aber das ist ihr nicht genug.
und gleich wendet sich das blatt..

er bemerkt das pflaster am zeigefinger ihrer zierlichen hand.
'na? was ist denn da passiert?' fragt er mit einem gewohnt frechen unterton.
'ich habe mich beim putzen meiner erdbeeren geschnitten.' sagt sie leise, senkt verschämt den samtenen blick und führt die hand unwillkürlich an ihren mund, als wollte sie einen bluttropfen mit den lippen auffangen.

auf einmal beginnt er zu schwitzen. er sieht sich hinter einem vorhang stehen, versteckt, in einer kleinen warmen landhausküche. er beobachtet sie, wie sie beim tisch steht, ein korb mit erdbeeren vor sich, ein großes messer in der hand, mit dem sie gekonnt hantiert. doch ihre gedanken scheinen abzuschweifen, die bewegungen werden langsamer, fast scheint sie zu träumen, atmet tief und seufzt leise. da passiert es, sie schneidet sich in den finger, mit dem großen groben messer. ein dunkelroter tropfen blut fällt auf das schneidebrett und vermengt sich mit dem hellroten erdbeersaft.
er spürt das blut in seinen lenden beben und rückt näher an den tresen, um es zu verbergen.

als sie zu ihm aufsieht ist alle härte aus seinem blick gewichen, seine pupillen geweitet. und sie weiß sofort: jetzt ist er soweit.

7.7.06 22:23, kommentieren

der breite, smaragdgrüne träger ihres lässigen glanzsatinoberteils gleitet nach unten und legt eine schmale, blasse schulter frei. als sie es bemerkt, senkt sie ihren kopf zur seite und berührt mit der nackten schulter ihre wange. würde sie den träger mit einer langsamen, eleganten handbewegung wieder nach oben schieben, wissend, dass dieser sich nach dem nächsten schluck wein erneut selbstständig macht, würde sie ihn wohl völlig überreizen. er sitzt in einer gestellten allerweltspose vor ihr und nimmt einen großen schluck. sein linker fuß zuckt nervös und würde ihm beinahe alles zunichte machen. aber heute sieht sie entspannt über die gesten seines offensichtilichen verlangens hinweg, nicht notwendig, den träger zurück an seinen platz zu bringen. an diesem schwülen sommernachmittag bringt sie es auf den punkt. ein winziger schluck wein noch, jung wie die nacht.

20.6.06 21:48, kommentieren